
Das Institut beschäftigt sich mit der Weiterentwicklung der numerischen Bauelementsimulation. Hauptziel ist dabei die Bereitstellung von vorhersagefähigen und gleichzeitig effizienten also kostengünstigen numerischen Bauelementmodellen für die industriellen Technologieentwickler. Die experimentelle und theoretische Verifikation der Vorhersagefähigkeit der beim Technologiedesign zum Einsatz kommenden Bauelementmodelle ist eine mit diesem Ziel eng verknüpfte weitere Forschungsaufgabe. Basis dieser Forschungsarbeiten ist ein hierarchisches und in sich konsistentes Simulationssystem, das von der Transportparametersimulation basierend auf der Boltzmannschen Transportgleichung und Monte-Carlo Methoden bis hin zur Schaltkreissimulation von Grundschaltungen mit konventionellen numerischen Bauelementmodellen reicht.
Die Genauigkeit der konventionellen numerischen Bauelementmodelle, die entweder auf den hydrodynamischen (HD) oder den Drift-Diffusions (DD) Transportgleichungen beruhen, hängt sehr wesentlich von der Genauigkeit der verwendeten Transportparameter (z.B. Beweglichkeiten oder Energierelaxationszeiten) ab. Die Bestimmung aller Transportparameter auf der Grundlage von experimentellen Daten ist schon aus Kostengründen nicht möglich. Dies trifft insbesondere auf Verbundhalbleitermaterialien wie SiGe zu, da bei diesen aufgrund der Vielzahl der möglichen Konzentrationsverhältnisse und mechanischen Verspannungszuständen die Menge der relevanten Transportparameterdaten stark zugenommen hat. Hier bietet die Transportparametersimulation auf der Basis der Boltzmannschen Transportgleichung mit Monte-Carlo Methoden einen Ausweg. Bei dieser Methode wird das Transportverhalten eines Halbleiters auf seine Bandstruktur und wenige elementare Streumodelle zurückgeführt, wodurch bei Verbundhalbleitern das Problem der Transportparameterbestimmung erst handhabbar wird. Gleichzeitig erlaubt diese Methode auch eine optimale Ausnutzung der wenigen vorhandenen experimentellen Transportparameterdaten zur Genauigkeitssteigerung. Als Teil des oben erwähnten Simulationssystems steht daher ein experimentell verifizierter Monte-Carlo Materialsimulator zur Bestimmung beliebiger Transportparameter in verspanntem und unverspanntem Si und SiGe zur Verfügung. Dabei kann die vollständige Bandstruktur des betrachteten Halbleitermaterials in die Transportparametersimulationen einfließen. Ein weiterer Simulator erlaubt in Verbindung mit der Lösung der Schrödinger Gleichung auch die Bestimmung von Transportparametern in MOS Inversionsschichten.
Die konventionelle numerische Bauelementsimulation basierend auf den DD oder HD Transportgleichungen ist heute ein unverzichtbares Hilfsmittel beim Design von Technologien für integrierte Schaltungen. Dabei ist die Vorhersagefähigkeit und Effizienz der eingesetzten Bauelementmodelle sehr wichtig. Für die konventionelle numerische Bauelementsimulation steht im Simulationssystem der Forschungsgruppe der zweidimensionale numerische Bauelementsimulator GALENE III zur Verfügung, der auch die Basis für die Zusammenarbeit mit der Industrie darstellt. Gegenüber anderen konventionellen numerischen Modellen zeichnet sich GALENE III besonders durch seine hohe Flexibilität bei der Wahl der Lösungsalgorithmen und durch die Verfügbarkeit von genauen und verifizierten nicht lokalen Modellen für die Simulation der Stoßionisation und das Band-Band Tunneln aus. Ferner verfügt GALENE III über flexible Schnittstellen zur Prozeßsimulation und zur Transportparametersimulation und ermöglicht daher konventionelle Bauelementsimulationen mit einem höchstmöglichen Grad an Konsistenz zur Monte-Carlo Bauelementsimulation. Diese Konsistenz ist eine Grundvoraussetzung für die theoretische Verifikation der konventionellen Bauelementsimulation mittels der Monte-Carlo Bauelementsimulation. Die Monte-Carlo Bauelementsimulation, die auf der gekoppelten Lösung von Boltzmannscher Transportgleichung und Poisson Gleichung beruht, wird aus zwei Gründen immer wichtiger auch für das industrielle Technologiedesign, das nach wie vor fast ausschließlich durch die konventionelle Bauelementsimulation unterstützt wird. Da die Monte-Carlo Bauelementsimulation aufgrund Ihrer besseren theoretischen Fundierung prinzipiell der konventionellen numerischen Bauelementsimulation überlegen ist, können Monte-Carlo Referenzsimulation erstens zur Genauigkeitsprüfung der konventionellen numerischen Bauelementsimulation eingesetzt werden. Zweitens ist die auf der vollständigen Bandstruktur beruhende Monte-Carlo Bauelementsimulation zur Zeit das einzige bekannte Verfahren, das vorhersagefähig das Verhalten von hochenergetischen Elektronen, die zum Beispiel MOS Gateströme verursachen, beschreiben kann. Hier wird es in Zukunft daher notwendig sein, die Monte-Carlo Bauelementsimulation direkt beim industriellen Technologiedesign einzusetzen. Zur Effizienzsteigerung ist es dabei möglich, das Monte-Carlo Verfahren als Postprocessor auf die Ergebnisse der konventionellen Bauelementsimulation aufzusetzen. Im Simulationssystem der Forschungsgruppe stehen Monte-Carlo Bauelementsimulatoren für Si- und SiGe-Bauelemente zur Verfügung, die sowohl die vollständige Bandstruktur als auch geeignet gewählte analytische Bandstrukturinformationen verarbeiten können. Damit Referenzsimulationen zur Überprüfung der Genauigkeit der konventionellen Bauelementmodelle möglich sind, wurde großer Wert auf die Konsistenz der Bandstruktur- und Streumodelle bei der Monte-Carlo Transportparameter- und Bauelementsimulation gelegt.
Die Schaltkreissimulation wird üblicherweise mit analytischen
Bauelementmodellen durchgeführt, da die
numerischen Bauelementmodelle wie das DD- oder HD-Modell um etwa drei
Größenordnungen langsamer sind als die analytischen Modelle.
Die Schaltkreissimulation gekoppelt mit numerischer
Bauelementsimulation für einzelne Komponenten eröffnet jedoch
völlig neue Möglichkeiten. So erlaubt diese
Simulationsmethode
eine direkte Darstellung der stationären und transienten
Schaltkreiseigenschaften einer Bauelementfamilie als Funktion von
technologienahen,
physikalischen Parametern wie Bauelementdotierung und
Bauelementgeometrie.
Dadurch lassen sich die Schaltkreiseigenschaften von Bauelementen
direkt
als Funktion von Dotierung und Geometrie optimieren.
Weiterhin eröffnet diese Simulationsmethode ideale
Möglichkeiten bei
der Entwicklung von analytischen
Bauelementmodellen für die Schaltkreissimulation und deren
Genauigkeitsüberprüfung.
Im Simulationssystem der Forschungsgruppe steht für diese
Simulationsmethode
das Schaltkreissimulationsprogramm CEDUSA zur Verfügung, das
über einen
Client/Server Ansatz in Verbindung mit GALENE III
Schaltkreissimulationen
mit numerischen Bauelementmodellen auf einem UNIX Workstationnetz
ermöglicht.
Die Monte-Carlo Methode ist ein stochastisches Verfahren mit dem die
semiklassische
Boltzmanntransportgleichung gelöst werden kann. Dabei wird die
mikroskopische
Bewegung der Elektronen (und Löcher) im Halbleiter nachvollzogen.
Diese setzt sich zusammen aus stoßlosen Flügen, die durch
die Newtonschen
Bewegungsgleichungen beschrieben werden, und Streuungen aufgrund von
Wechselwirkungen mit Störstellen, Phononen, usw. So lenkt zum
Beispiel ein geladenes Dotierstoffatom
ein Elektron durch die Coulombwechselwirkung ab. Da die Lage der
Dotierstoffatome zufällig ist, wird auch die
Bahn des Elektrons zufällig.

Aufgrund der mikroskopischen Beschreibung des Teilchentransports
können physikalische Effekte auf eine sehr fundamentale Art und
Weise berücksichtigt werden. Zum Beispiel kann die
vollständige Energiebandstruktur des Halbleiters
berücksichtigt werden.

Für eine Monte Carlo Simulation benötig man noch neben der
Bandstruktur
Streuprozesse. Der wichtigste Streuprozess ist die Phononstreuung.
Phononen sind die
Quasiteilchen der thermischen Gitterschwingungen. Ihre Streurate
wächst
mit der Energie an:

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t. b. d.
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Die exakte Berücksichtigung der Quanteneffekte erfordert
zusätzlich die Lösung der Schrödinger-Gleichung bei der
Berechnung der Ladungsträgerdichte, die für die Bestimmung
wichtiger Kenngrößen von MOSTETs, wie
z.B. der Thresholdspannung, von großer Wichtigkeit ist. Die
Ladungsträgerdichte wird hierbei mit Hilfe der Wellenfunktionen
(siehe Abb. 2) bestimmt, die sich aus der Lösung der
Schrödinger-Gleichung ergeben.
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Michael Hinz (Zimmer 1415)